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Veranstaltungs-Nachbetrachtung zum zweiten: Neun Stunden "Shoah" von Claude Lanzmann im Laden der Karawane #Wuppertal am letzten Freitag.

Okay. Wir sagen's ganz offen: Wir waren ein bisschen enttäuscht. Nee, wir hatten jetzt nicht mit nem vollen Haus gerechnet. Nicht von 14 bis 24 Uhr. Aber doch darauf gehofft, dass zumindest zwischendurch ein paar (vielleicht auch n paar jüngere?) Menschen mal vorbeigucken. Auf n Tee. Und auf ein Kapitel dessen, was auch 70 Jahre danach noch nicht zu begreifen ist.

War ganz gut, um die Dinge mal etwas klarzuziehen in Tagen, in denen jede Rassistin und jeder Häkeldeckchenfetischist, die sich an so nem kranken Gedanken wie "Deutschland" festzuhalten versuchen "Nazi" genannt wird.

War ganz gut, mal sowas wie "Ich habe keine großen Fragen gestellt, weil ich Angst vor kleinen Antworten hatte" von Raul Hilberg zu hören. Und von ihm aufgedröselt zu bekommen, was die neue "antisemistische Qualität" der Nationalsozialisten eigentlich ausgemacht hat.

War ganz gut, Begriffe wie "Treblinka" oder "Majdanek" nicht "nur" als Chiffre für "irgendwie Böses" wahrzunehmen, sondern wieder (wieder!) fassungslos vor den Schilderungen zu sitzen: Von der Ankunft in Treblinka bis zur Einäscherung verweilten die Opfer durchschnittlich 90 Minuten im Lager. Das war eben gar keins. 90 Minuten! Es brauchte nichtmals Unterkünfte dort.

Treblinka war nur eine Maschine.

War auch ganz gut, nochmal vom Widerstand zu hören. Von der Notwendigkeit, auch in der Hölle dagegenzuhalten.

Noch besser: von der Möglichkeit dazu.

Ja, es war ein hartes Brötchen. Um Mitternacht waren die (sehr) wenigen, die sich "Shoah" gegeben haben, völlig platt. Warum es nur so wenige waren? Obwohl doch viele davon reden, die Antifa sei in der Krise? Wo es ja vielleicht ganz schlau wäre, sich nochmal oder auch erstmals mit all dem auseinanderzusetzen...

Vielleicht sind siebzig Jahre dann doch genug, dass es nicht mehr interessiert. Oder dass alle glauben, alles zu wissen... (Guter Artikel gestern in der "Welt" dazu: "Was wissen wir über Auschwitz? Nichts!" siehe: http://www.welt.de/…/Was-wissen-wir-ueber-Auschwitz-Nichts.…)

Was beinahe noch mehr enttäuscht hat: Obwohl Ton und Bild auch auf der Straße wahrnehmbar waren, sind im Laufe des Tages bestenfalls 3% der Eilenden mal kurz am Laden stehengeblieben. Die anderen 97% haben sich nicht einmal dafür interessiert, was dort eigentlich passierte.

Es war völlig egal.

Fazit: Vielleicht versuchen wir es in dreissig Jahren noch einmal. Der Film ist dann sechzig Jahre alt und der Holocaust 100 Jahre her.

Ach ja: Geht doch bitte zu einer der Veranstaltungen am 27.1.


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